Mein Kompass
Mich oft verlaufen,
mal hier und mal da,
gestolpert, gefallen,
den Weg fast verloren.
Doch er war immer da.
Der innere Kompass,
mein sicherer Weg.
Ich habe ihn vergessen,
wenn alles sich dreht.
Wenn ich zurückschaue, hatte ich diesen inneren Kompass eigentlich schon immer.
Da war oft ein Gefühl, eine Ahnung, eine Richtung,
ohne dass ich erklären konnte, woher sie kam.
Schon als Kind habe ich Dinge ausgesprochen,
von denen ich einfach wusste, dass sie so kommen könnten.
Nicht, weil ich sie mir ausgedacht habe,
sondern weil es sich in mir klar angefühlt hat.
Die Reaktion darauf war selten Zustimmung.
„Wie kannst du nur so etwas sagen.“
„Du träumst schon wieder.“
„Sei doch mal realistisch.“
Und so kam früh Gegenwind.
Nicht nur einmal, sondern immer wieder.
Von außen.
Von Menschen, die es anders sahen.
Von einer Welt, die lieber Sicherheiten hat als Ahnungen.
Trotzdem war diese Richtung in mir nie ganz weg.
Ich habe mich verlaufen.
Ich bin Umwege gegangen.
Ich habe gezweifelt, habe Entscheidungen getroffen, die nicht funktioniert haben.
Aber im Rückblick habe ich gemerkt,
dass ich meinen Weg nie wirklich verloren habe.
Denn da war immer etwas in mir,
das wusste, wo es weitergeht,
auch wenn mein Kopf es noch nicht verstehen konnte.
Mit den Jahren habe ich gelernt,
dass ich das Leben nicht kontrollieren kann.
Zu viele Einflüsse kommen von außen.
Meinungen, Erwartungen, Nachrichten, Stimmungen,
alles gleichzeitig, alles sofort, alles wichtig.
Ich glaube nicht, dass die Welt früher besser war.
Es gab schon immer Kriege, Angst, falsche Entscheidungen und schlechte Menschen.
Nur kam nicht jede Nachricht im gleichen Moment bei uns an.
Heute prasselt alles im Sekundentakt auf uns ein.
Und wenn man nicht aufpasst, verliert man dabei leicht die eigene Richtung.
Ich habe für mich entschieden, nicht alles in mich hineinzulassen,
nur weil es da ist.
Ich nehme vieles zur Kenntnis.
Manches gefällt mir nicht.
Manches ist mir zu negativ.
Manches kann ich sowieso nicht ändern.
Aber ich lasse mir davon nicht meinen Weg bestimmen.
Ich höre oft den Satz:
„Ich würde auch gern so leben wie du, aber …“
Dieses aber kann alles sein.
Die Welt.
Die Politik.
Das Geld.
Die anderen Menschen.
Die Umstände.
Doch mein Leben ist nicht die ganze Welt.
Ich kann nicht bestimmen, was irgendwo passiert.
Ich kann nicht verhindern, dass Menschen gegeneinander kämpfen.
Ich kann nicht alles richtig machen.
Aber ich kann entscheiden, wie ich meinen Weg gehe.
Ich habe Freunde aus vielen Ländern.
Unterschiedliche Sprachen, unterschiedliche Geschichten, unterschiedliche Herkunft.
Wir sind nicht die Politiker unserer Länder.
Wir sind Menschen, die sich begegnen.
Wir unterstützen uns, wir lachen zusammen, wir hören einander zu.
Unser Kompass zeigt nicht auf Gegeneinander.
Er zeigt auf Miteinander.
Und jedes Mal, wenn draußen alles lauter wird,
merke ich, wie wichtig es ist, diesen inneren Punkt nicht zu verlieren.
Nicht weil ich immer sicher bin.
Nicht weil ich immer richtig liege.
Sondern weil ich gelernt habe,
dass in uns eine Weisheit steckt,
die keinen Beweis braucht.
Sie zeigt die Richtung.
Auch dann, wenn der Wind von vorn kommt.
Der Gegenwind wird kommen, das war schon immer so.
Doch wenn der innere Kompass stimmt,
kann selbst der Wind von vorn uns tragen
und höher steigen lassen, als wir es ohne ihn könnten.
