Mein Licht
Ich trage mein Licht
vor mir her wie eine Laterne,
alles ist hell erleuchtet.
Ohne mich geht es nicht.
Doch die Kerze brennt nieder,
das Licht erlischt.
Und die Welt dreht sich weiter –
auch ohne mich.
Dieser Gedankenflug kam mir, als ich gemerkt habe, wie schnell man sich selbst für unentbehrlich hält.
Da gibt es Zeiten, da glaube ich, alles hängt an mir.
Wenn ich es nicht mache, macht es keiner.
Wenn ich nicht aufpasse, geht etwas schief.
Wenn ich nicht da bin, fehlt etwas.
Und so laufe ich mit meiner Laterne durchs Leben
und wundere mich irgendwann, warum die Kerze immer kleiner wird.
Ich sehe das nicht nur bei mir.
Ich sehe es bei vielen Menschen.
Wir übernehmen Verantwortung, helfen, kümmern uns, denken mit, springen ein, halten aus.
Und irgendwann glauben wir, ohne uns würde alles zusammenbrechen.
Aber das Leben hat seine eigene Bewegung.
Es dreht sich weiter.
Mit uns.
Und auch ohne uns.
Diese Erkenntnis kann erschrecken.
Sie kann traurig machen.
Aber sie kann auch eine große Erleichterung sein.
Denn vielleicht müssen wir nicht die ganze Zeit leuchten,
damit die Welt hell bleibt.
Vielleicht reicht es, wenn wir darauf achten,
dass unsere eigene Kerze nicht ausgeht.
