Quelle der Stärke
Sieh gut in dich hinein,
da gibt es eine Quelle der Stärke,
die immer sprudeln wird,
wann immer du hinsiehst.
Epiktet
Wenn ich ehrlich bin, kannte ich dieses Spüren schon als Kind.
Da gab es Situationen, in denen sich innerlich alles gesträubt hat.
Als würden sich die Federn aufstellen.
Aber oft hieß es:
„Stell dich nicht so an.“
„Das bildest du dir ein.“
„Sei vernünftig.“
Also habe ich gelernt, mehr nachzudenken als zu fühlen.
Irgendwann bin ich genau in das hineingerutscht, was ich heute bei vielen anderen sehe.
Planen, überlegen, absichern, kontrollieren wollen.
Alles richtig machen.
Keine Fehler machen.
Nur funktioniert das Leben nicht so.
Egal wie lange ich nachgedacht habe,
egal wie viele Möglichkeiten ich durchgespielt habe,
es kam doch immer anders.
Bis ich verstanden habe:
Ich kann im Außen nichts kontrollieren.
Nur meine Reaktion darauf.
Und ab da haben Fehler ihren Schrecken verloren.
Sie wurden zu Erfahrungen.
Heute höre ich wieder mehr auf das Erste, was in mir auftaucht.
Diese erste Eingebung, dieses kurze Gefühl von
passt
oder passt nicht.
Nicht, weil ich glaube, dass ich immer richtig liege.
Sondern weil ich weiß, dass ich mich verliere,
wenn ich anfange, gegen dieses Gefühl anzudenken.
Je länger ich über etwas nachdenke,
desto weiter entferne ich mich manchmal von mir selbst.
Und genau deshalb ist mir mein Bauchgefühl wichtig geworden.
Nicht als Garantie.
Sondern als Richtung.
Manchmal habe ich das Gefühl, viele Menschen haben Angst vor der Stille.
Als würden sie etwas verpassen, wenn sie nicht ständig nachdenken,
nicht noch einen Rat einholen,
nicht noch eine Meinung hören,
nicht noch etwas überprüfen.
Im Außen ist es laut geworden.
Und je lauter es wird,
desto schwerer ist es, die eigene Stimme noch zu hören.
Dabei ist sie nicht verschwunden.
Sie ist nur leiser als all das andere.
Die innere Stimme wird nicht lauter, wenn wir länger nachdenken.
Sie wird hörbar, wenn wir aufhören, uns selbst zu überreden.
