Können wir uns selbst verlieren, wenn zu viele Stimmen von außen kommen?
Lost in translation – wenn gut gemeinte Ratschläge uns aus dem Gleichgewicht bringen und wir den Kontakt zu uns selbst verlieren.
Manchmal reicht ein Satz,
und plötzlich stimmt etwas nicht mehr.
Ein Rat.
Eine Bemerkung.
Ein gut gemeinter Hinweis.
„Überleg dir das noch mal.“
„Meinst du wirklich, dass das richtig ist?“
„Pass auf, dass du keinen Fehler machst.“
„Ich würde das nicht tun.“
Oft ist das nicht böse gemeint.
Im Gegenteil.
Die meisten sagen so etwas, weil sie helfen wollen.
Und manchmal hilft es auch.
Man hält kurz inne, schaut noch einmal hin, denkt nach.
Doch es gibt Momente, da trifft so ein Satz nicht wie ein Hinweis.
Sondern wie ein Seitenhieb.
Wenn der Halt sowieso schon wackelt
Es gibt Situationen im Leben,
da steht man innerlich nicht fest.
Man spürt zwar eine Richtung,
aber der Boden fühlt sich noch unsicher an.
Der innere Kompass zeigt etwas an,
doch der Kopf hat noch Fragen.
Genau in solchen Momenten können Worte von außen sehr stark wirken.
Stärker als sie gemeint sind.
Und manchmal reicht ein einziger Satz,
um uns komplett aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Nicht, weil der andere recht hat.
Sondern weil wir selbst gerade keinen festen Halt haben.
Lost in translation
Ich habe oft erlebt,
dass Ratschläge sich ganz anders anfühlen, als sie gemeint sind.
Der andere denkt, er hilft.
Bei mir kommt an:
Du liegst falsch.
Du machst das nicht richtig.
Du solltest das anders machen.
Lost in translation.
Zwischen dem, was gesagt wird,
und dem, was in mir ankommt,
liegt manchmal eine ganze Welt.
Und wenn ich in diesem Moment nicht gut bei mir bin,
lasse ich diese Worte viel zu tief in mein Nest.
Wenn zu viele Stimmen im Kopf sind
Dann fängt es an zu drehen.
Vielleicht haben sie recht.
Vielleicht sehe ich das falsch.
Vielleicht sollte ich es doch anders machen.
Vielleicht bilde ich mir das alles nur ein.
Und plötzlich höre ich meine eigene Stimme kaum noch.
Zu viele Gedanken.
Zu viele Zweifel.
Zu viele fremde Eier im Nest.
Und wenn ich nicht aufpasse,
werde ich aus meinem eigenen Gleichgewicht geschubst.
Manchmal so sehr,
dass die Federn nur so fliegen.
Wie ein gerupftes Huhn
Es gibt Momente,
da fühlt man sich danach wirklich wie ein gerupftes Huhn.
Alles, was sich eben noch richtig angefühlt hat, ist weg.
Der Mut ist weg.
Die Klarheit ist weg.
Die Richtung ist weg.
Und man sitzt da
und fragt sich, wie man sich so sicher sein konnte.
Früher habe ich gedacht,
mit mir stimmt etwas nicht, wenn mich so etwas aus der Bahn wirft.
Heute glaube ich eher,
dass es menschlich ist.
Wenn wir uns innerlich noch nicht ganz sicher sind,
können Worte von außen sehr tief treffen.
Federn wachsen nach
Was ich lernen musste:
Wenn ich aus dem Nest gefallen bin,
dann brauche ich Zeit, um mich wieder zu sortieren.
Die eigenen Federn wachsen nicht sofort nach.
Das Gefieder wird nicht von heute auf morgen wieder glatt.
Und manchmal dauert es,
bis ich meine eigene Richtung wieder spüre.
Früher habe ich mich dafür verurteilt.
Heute weiß ich,
dass genau diese Momente dazugehören.
Auch Möwen verlieren Federn.
Und trotzdem können sie wieder fliegen.
Wieder die eigene Flugbahn finden
Heute versuche ich, mir in solchen Momenten eine einfache Frage zu stellen:
Was fühlt sich für mich stimmig an?
Nicht für die anderen.
Nicht für die Vernunft.
Nicht für die Erwartungen.
Für mich.
Und manchmal dauert es,
bis ich diese Antwort wieder hören kann.
Aber irgendwann wird es wieder ruhig im Kopf.
Die fremden Stimmen werden leiser.
Und der innere Kompass zeigt wieder eine Richtung.
Nicht perfekt.
Nicht ohne Wind.
Aber meine.
Ein Gedanke zum weiterfliegen
Ratschläge können helfen.
Aber sie können uns auch aus dem Gleichgewicht bringen,
wenn wir gerade keinen festen Halt haben.
Dann verlieren wir kurz die Richtung,
lassen Federn
und fühlen uns, als wären wir aus dem Nest gefallen.
Doch mit der Zeit wächst das Gefieder nach.
Und irgendwann kommt der Moment,
in dem wir wieder zum Horizont schauen
und wissen, wohin wir fliegen wollen.
