Gedankennest
An manchen Tagen sitze ich
auf einem Nest voller Gedankeneier.
Meine eigenen, Kuckuckseier,
Eier, in denen nichts wächst.
Unter meinem Gefieder
halte ich sie warm,
bis sie ausschlüpfen,
die Küken die Schnäbel aufreißen.
Mancher Vogelschrei
klingt wie ein Lachen.
Was machst du, Mensch,
nur für Sachen.
Es gibt Tage, da komme ich aus dem Grübeln kaum heraus.
Ein Gedanke legt ein Ei,
der nächste gleich daneben,
und ehe ich mich versehe, sitze ich auf einem ganzen Nest.
Gedanken über Dinge, auf die es keine Antwort gibt.
Zumindest keine, die ich in mir finde.
Was denkt er über mich?
Warum hat sie das gesagt?
Habe ich etwas falsch gemacht?
Hätte ich anders reagieren müssen?
Und während ich noch darüber nachdenke,
lege ich schon das nächste Ei dazu.
Manche davon sind meine.
Manche sind wie Kuckuckseier,
hineingelegt von anderen, von Erinnerungen, von alten Geschichten.
Und in vielen wächst überhaupt nichts.
Trotzdem halte ich sie warm,
als müsste unbedingt etwas daraus werden.
Früher habe ich mich in solchen Gedankennestern völlig verloren.
Heute merke ich schneller, wenn ich anfange, meine Energie an Fragen zu verschwenden,
auf die es keine Antwort gibt.
Dann sage ich mir ganz bewusst:
Jetzt ist genug.
Was für ein Müll.
Und manchmal hilft mir dabei ein ganz einfaches Geräusch.
Wenn ich am Strand sitze und die Möwen schreien höre,
klingt es für mich manchmal wie Lachen.
Als wollten sie sagen:
Lass sie fliegen.
Nicht jeder Gedanke braucht ein Nest.
Manche dürfen einfach davonziehen,
ohne dass du ihnen hinterherläufst.
