„Was glaubst du eigentlich, wer du bist.“



Als ich mir die Königinnenbilder von mir angesehen habe,
vor allem das mit dem weißen Kleid,
hörte ich plötzlich eine Stimme in meinem Kopf.
Ganz klar.
Ganz vertraut.

„Was glaubst du eigentlich, wer du bist.“

Es war die Stimme aus meiner Kindheit.
Nicht laut.
Nicht jeden Tag.
Aber oft genug,
dass sie tief in mir gespeichert ist.

Und für einen Moment war ich wieder das Kind,
das nicht wusste, was es darauf antworten soll.

Ich war doch ich.
Wer sollte ich denn sonst sein?

Also habe ich gelernt,
lieber gar nichts zu sagen.
Lieber anpassen.
Lieber still sein.
Lieber nicht auffallen.
Lieber niemandem einen Grund geben,
diese Frage zu stellen.

Damals habe ich nicht verstanden,
was dieser Satz mit mir macht.

Ich habe angefangen zu glauben,
dass ich mich rechtfertigen muss,
wenn ich ich selbst bin.

Dass ich aufpassen muss,
nicht zu viel zu wollen,
nicht zu stolz zu sein,
nicht zu sehr an mich zu glauben.

Heute weiß ich,
dass dieser Satz etwas in mir klein gehalten hat.

Solche Sätze verschwinden nicht einfach.
Sie bleiben irgendwo im Inneren sitzen
und melden sich genau dann,
wenn man gerade dabei ist, sich aufzurichten.

Als ich das Königinnenbild als Profilbild bei WhatsApp genommen habe,
kam diese Stimme wieder.

Und nicht nur innen.

Auch von außen kamen Reaktionen.
„Was ist jetzt los?“
„Was bildest du dir ein?“

Und gleichzeitig kamen auch andere Stimmen:
„Du bist schon lange diese Königin.
Nur die anderen sehen es nicht.“

Und genau in solchen Momenten merke ich,
wie tief diese alten Sätze noch sitzen.

Manchmal kommt dieser Satz auch in mir hoch,
wenn ich wütend bin.
Wenn ich mich ungerecht behandelt fühle.
Wenn ich das Gefühl habe, jemand nimmt sich etwas heraus.

Dann ist er plötzlich da:

„Was bildet der sich ein?“
„Was glaubt die eigentlich, wer sie ist?“

Ich spreche diese Sätze nicht aus.
Vielleicht, weil ich genau weiß,
wie sie sich anfühlen.

Nach meinem inneren Schnitt mit der alten Version von mir
ist eine Frage geblieben,
die ich mir bis heute immer wieder stelle,
wenn sich etwas nicht stimmig anfühlt:

Was in mir erlaubt es,
dass andere mich so behandeln?

Nicht, um Schuld zu suchen.
Nicht, um anderen etwas vorzuwerfen.

Sondern um zu verstehen,
wo ich mich selbst übergangen habe.

Wo ich geschwiegen habe,
obwohl ich etwas sagen wollte.

Wo ich geblieben bin,
obwohl ich längst gehen wollte.

Wo ich mich kleiner gemacht habe,
damit es für andere einfacher ist.

Diese Frage ist nicht bequem.
Aber sie ist ehrlich.

Vor vielen Jahren stellte ich mir eine andere Frage:

Wer bin ich?

Nicht:
Wer glaube ich, wer ich bin.

Sondern wirklich:
Wer bin ich, wenn ich niemandem etwas beweisen muss?

Diese Frage hat viel verändert.
Nicht auf einmal.
Nicht mit einer großen Erkenntnis.
Sondern langsam.

Ich habe gemerkt,
wie viele Rollen ich übernommen hatte,
ohne es zu merken.

Die Vernünftige.
Die Starke.
Die, die durchhält.
Die, die sich kümmert.
Die, die keinen Ärger macht.
Die, die funktioniert.

Und irgendwann wusste ich gar nicht mehr,
wo ich in all dem eigentlich bin.

Früher hätte ich diese Gedanken weggeschoben.
Hätte gedacht, so darf man nicht denken.
So darf man nicht fühlen.
Es ist, wie es ist.
Durchhalten.

Heute schaue ich genauer hin.

Wenn mir solche Sätze auf der Zunge liegen,
frage ich mich:

Warum trifft mich das gerade so?
Warum fühle ich mich klein gemacht?
Welches Bild gebe ich nach außen,
dass ich mich so behandeln lasse?

Und plötzlich bin ich nicht mehr das kleine Kind,
das keine Antwort weiß.

Heute bin ich die Königin in mir,
die gerade einen Moment nicht ganz auf der Höhe war
und zugelassen hat,
dass jemand sie kleiner behandelt, als sie ist.

Die innere Königin bedeutet nicht,
dass ich immer ruhig bin.
Oder immer verständnisvoll.
Oder immer über den Dingen stehe.

Sie bedeutet,
dass ich mich wieder erinnern kann,
wer ich bin.

Dass ich merke,
wenn ich mich gerade selbst verlasse.

Dass ich spüre,
wenn alte Stimmen lauter werden als meine eigene.

Und dass ich die Wahl habe,
ob ich wieder klein werde,
mich rechtfertige für mein So-sein,

oder ob ich die Frau bin,
die einfach stehen bleibt
und sich nicht mehr erklären muss.

Ein Gedanke zum weiterfliegen

Vielleicht tragen wir alle solche Sätze in uns.

Sätze, die uns klein halten sollten.
Sätze, die uns vorsichtig gemacht haben.
Sätze, die uns beigebracht haben,
nicht zu viel zu sein.

Und vielleicht kommt irgendwann im Leben der Moment,
an dem man merkt:

Ich darf trotzdem ich sein.

Mit Licht.
Mit Schatten.
Mit Stärke.
Mit Wut.
Mit Zweifeln.
Mit Würde.

Und wenn ich falle,
steht diese Königin in mir trotzdem wieder auf.

Nicht perfekt.

Aber aufrecht.

Martes Gedanken – unterwegs zwischen Licht, Schatten und neuen Horizonten

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