Die Marionette, die ihre Fäden sah

Manchmal habe ich das Gefühl,
ich habe lange an Fäden gehangen,
ohne es zu merken.

Ich habe mich bewegt,
wenn es erwartet wurde.
Ich habe funktioniert,
wenn es nötig war.
Ich habe Ja gesagt,
auch wenn in mir längst ein Nein war.

Und weil es immer schon so war,
habe ich gedacht,
es gehört so.

Die Fäden waren nicht grob.
Nicht sichtbar.
Nicht laut.

Sie hießen
Verantwortung.
Rücksicht.
Pflicht.
Gewohnheit.
Und manchmal auch Liebe.

Eines Tages hatte ich einen Moment,
in dem ich plötzlich still wurde.

Nicht außen.
Innen.

Und in dieser Stille habe ich gemerkt,
dass sich etwas in mir sträubt,
wenn ich wieder in die gleiche Rolle gehe.

Als würde mein Inneres sagen:

So nicht mehr.

Ich habe nach oben geschaut.
Nicht zu jemandem.
Sondern zu den Fäden.

Und zum ersten Mal habe ich gesehen,
dass ich sie nicht nur in der Hand anderer halte,
sondern auch selbst festhalte.

Ganz vorsichtig
habe ich einen losgelassen.

Es hat sich nicht wie Freiheit angefühlt.
Es hat sich zuerst wie Unsicherheit angefühlt.

Dann habe ich noch einen losgelassen.

Und noch einen.

Und irgendwann
stand ich da,
ohne zu wissen, wie man ohne Fäden geht.

Aber ich stand.

Und in diesem Moment
war ich keine Marionette mehr.

Keine perfekte Königin.
Keine mutige Heldin.

Nur ich.

Und das war das erste Mal,
dass sich mein Leben
wirklich nach meinem angefühlt hat.

Martes Gedanken – unterwegs zwischen Licht, Schatten und neuen Horizonten

LASS UNS IN VERBINDUNG BLEIBEN!

Ich möchtee dir gerne die neuesten Neuigkeiten und Angebote zukommen lassen 😎

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Ähnliche Beiträge

  • Gedankenflug – Lost in translation

    Gedankenflug – Lost in translation Ich fliege durch meine Gedanken,mal ruhig, mal wieder am Schwanken.Gerade einen Entschluss gefasst,noch einmal geprüft — nichts verpasst. Da kommt sie von der Seite, ungefragt,eine Böe, die keiner bestellt hat.„Bist du sicher, dass das richtig ist?Ich würd das nicht tun, du weißt, wie das ist.“ Noch eine Stimme, noch ein…

  • Die Rüstung

    Die Rüstung Sie hat sie sich nicht bewusst angezogen. Sie ist einfach gewachsen,Schicht für Schicht. Aus Sätzen,aus Erwartungen,aus Momenten,in denen stark sein leichter warals zu zeigen,wie es wirklich ist. Die Rüstung hat gehalten.Hat getragen.Hat vieles möglich gemacht. Und gleichzeitighat sie leise verdeckt,wie viel eigentlich gesehen werden wollte. Heute legt sie sie nicht einfach ab. Aber…

  • Mein Licht

    Mein Licht Ich trage mein Lichtvor mir her wie eine Laterne,alles ist hell erleuchtet.Ohne mich geht es nicht. Doch die Kerze brennt nieder,das Licht erlischt.Und die Welt dreht sich weiter –auch ohne mich. Dieser Gedankenflug kam mir, als ich gemerkt habe, wie schnell man sich selbst für unentbehrlich hält. Da gibt es Zeiten, da glaube…

  • Quelle der Stärke

    Quelle der Stärke Sieh gut in dich hinein, da gibt es eine Quelle der Stärke, die immer sprudeln wird, wann immer du hinsiehst. Epiktet Wenn ich ehrlich bin, kannte ich dieses Spüren schon als Kind.Da gab es Situationen, in denen sich innerlich alles gesträubt hat.Als würden sich die Federn aufstellen. Aber oft hieß es:„Stell dich…

  • Nicht größer. Nicht kleiner

    Nicht größer. Nicht kleiner. Früher wurde mir oft gesagt:Der Glaube kann Berge versetzen. Und als Kind habe ich geglaubt,man müsse nur fest genug glauben,dann wird man genau der Mensch,für den man sich hält. In jungen Jahrenhalten wir unser Selbstbild gerne für die Wahrheit.Wir stellen uns vor, stark zu sein, besonders zu sein,größer als wir eigentlich…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert