Zeit für die Königin in mir
Warum ich Mut brauchte, mich selbst ernst zu nehmen
Es gibt diesen Satz:
„Wecke die Königin in dir.“
Früher habe ich gedacht, das ist nur eine schöne Redewendung.
Ein Spruch für Kalenderblätter oder Motivationskarten.
Heute weiß ich, dass viel mehr dahintersteckt.
Die Königin in sich zu wecken bedeutet nicht, besser zu sein als andere.
Es bedeutet nicht, laut zu werden oder sich über andere zu stellen.
Es bedeutet, sich zu erinnern,
dass man Würde hat.
Dass man eine innere Stärke hat.
Und dass man nicht dafür geboren wurde,
sein Leben wie eine Nebenrolle zu spielen.
Ich habe lange Zeit die Rolle der Magd in meinem eigenen Leben besetzt.
Ich funktionierte.
Ich kümmerte mich.
Ich passte mich an.
Ich hielt aus.
Ich stellte andere nach vorne und mich selbst nach hinten.
Und irgendwann merkte ich,
dass ich mich selbst dabei verloren hatte.
Bei den Bienen wird nur eine zur Königin.
Nicht durch Zufall,
sondern weil sie mit etwas Besonderem gefüttert wird.
Mit Gelee Royal.
Dieses besondere Futter lässt sie wachsen.
Es verändert ihre Entwicklung.
Es gibt ihr die Kraft, die sie braucht, um Königin zu sein.
Und irgendwann habe ich mich gefragt:
Was ist mein Gelee Royal?
Was nährt mich wirklich?
Was gibt mir Kraft, statt sie mir zu nehmen?
Was lässt mich wachsen, statt mich klein zu halten?
Diese Fragen verändern mehr als jede gute Absicht.
Ich habe angefangen, mir Gedanken zu machen.
Ich habe angefangen, mir Dinge aufzuschreiben.
Was macht mich wirklich glücklich?
Nicht wer.
Was.
Warum sehe ich mich oft kleiner, als ich bin?
Welche Glaubenssätze habe ich über mich übernommen,
ohne zu prüfen, ob sie überhaupt wahr sind und noch zu mir passen?
Warum stelle ich mich so oft in den Schatten,
obwohl ich spüre, dass ich eigentlich ins Licht möchte?
Warum bin ich für alle da,
aber für mich selbst oft nicht?
Welche Sehnsucht trage ich schon lange in mir,
ohne sie auszusprechen?
Welche Talente, Stärken und Fähigkeiten habe ich,
die ich selbst kaum beachte?
Welche Werte sind mir wirklich wichtig?
Und dann kam der Teil,
der Mut brauchte.
Welche Möglichkeiten habe ich wirklich?
Was könnte ich verändern, wenn ich ehrlich bin?
Welche Schritte wären möglich?
Und welche Ausreden erzähle ich mir, damit ich sie nicht gehen muss?
Wer könnte mich unterstützen?
Und vor allem:
Wer hält mich klein — und warum lasse ich das zu?
Warum stelle ich die Bedürfnisse anderer über meine eigenen?
Warum bleibe ich in Situationen, die mir nicht guttun?
In Beziehungen.
In Rollen.
In Erwartungen.
In Gewohnheiten.
Irgendwann kam der Punkt,
an dem ich merkte:
Wenn ich so weitermache,
verliere ich mich selbst.
Bei mir gab es einen Moment,
da habe ich gespürt, dass ich nicht mehr zurück kann.
Der Gedanke, wieder zu funktionieren,
wieder zu schlucken,
wieder so zu tun, als wäre alles in Ordnung,
hat sich angefühlt,
als würde in mir etwas sterben.
Und in diesem Moment wurde mir klar:
Ich bin keine Marionette.
Ich lasse mich nicht mehr ziehen,
nicht mehr lenken,
nicht mehr in eine Rolle drücken,
die mir nicht entspricht.
Ich habe ein eigenes Leben.
Und ich darf entscheiden, wie ich es lebe.
Als ich anfing, mich selbst wichtig zu nehmen,
war nicht jeder begeistert.
Was mir vorher nicht klar war:
Wie viele Menschen es bequem fanden,
dass ich funktioniert habe.
Dass ich da war.
Dass ich mitgedacht habe.
Dass ich mitgetragen habe.
Dass ich mich angepasst habe.
Eine Magd ist praktisch.
Eine Königin nicht.
Denn wenn die Magd aufsteht,
stellt sich plötzlich eine unangenehme Frage:
Wer macht jetzt die ganze Arbeit?
Ich habe gemerkt,
dass Veränderung nicht nur Mut braucht,
sondern auch die Bereitschaft,
andere zu enttäuschen.
Nicht jeder konnte damit umgehen,
dass ich mich nicht mehr klein gemacht habe.
Nicht jeder fand es gut,
dass ich angefangen habe,
meine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen.
Manche wurden still.
Manche wurden kritisch.
Manche waren sehr überrascht,
dass ich mich verändert hatte.
Heute weiß ich:
Ich habe mich nicht verändert.
Ich habe aufgehört, mich zu verbiegen.
Und ich habe auch gemerkt,
dass nicht jeder aus meiner Vergangenheit
in mein Königreich passt
oder mit mir diesen Weg weitergeht.
Das war nicht geplant.
Aber es war ehrlich.
Es gibt kein fertiges Rezept für mein Gelee Royal.
Kein Buch.
Kein Spruch.
Kein anderer Mensch konnte mir sagen,
was mich wirklich nährt.
Ich musste es selbst herausfinden.
Und auf diesem Weg habe ich einen Satz gehört,
der mich nicht mehr losgelassen hat:
Man kann kein Königreich aufbauen mit jemandem,
der immer noch die Aufmerksamkeit des Dorfes braucht.
Dieser Satz hat gesessen.
Weil ich gemerkt habe,
wie oft ich mein Leben danach ausgerichtet habe,
was andere denken könnten,
was andere erwarten könnten.
Erst als ich damit aufgehört habe,
wurde mein Leben ruhiger.
Klarer.
Echter.
Vielleicht ist genau das der Moment,
an dem die Königin in mir wach wird.
Nicht wenn alles perfekt ist.
Sondern wenn ich merke,
dass ich mich selbst nicht mehr verlieren will.
Ein Gedanke zum weiterfliegen
Manchmal beginnt der Weg zur Königin
nicht mit einer Krone,
sondern mit dem leisen Gefühl,
dass die Fäden, an denen ich hänge,
nicht mehr zu mir gehören.
Mein neues Königreich wurde nicht an einem Tag erbaut.
Und selbst wenn ich dachte,
jetzt ist alles fertig,
musste ich wieder renovieren,
nachbessern,
um- und ausbauen.
An meiner Fassade hat sich gar nicht so viel verändert.
Der große Wandel passierte innen.
Beim Loslassen alter Muster.
Beim Erkennen neuer.
Beim Üben.
Beim Hinfallen.
Beim Wiederaufstehen.
Und jedes Mal,
wenn ich dachte, jetzt bin ich fertig,
hat sich eine neue Tür gezeigt.
Vielleicht gehört genau das dazu.
Nicht perfekt zu werden.
Sondern immer mehr ich selbst.
