Wann ich tanken muss
Warum ich gelernt habe, nicht erst stehen zu bleiben, wenn nichts mehr geht
Wenn ich mein Leben betrachte,
sehe ich oft ein Fahrzeug vor mir.
Mal fahre ich ruhig.
Mal schnell.
Mal mit viel Gepäck.
Und lange Zeit bin ich gefahren,
ohne auf meine Anzeige zu schauen.
Nicht auf den Füllstand.
Nicht auf den Motor.
Hauptsache weiter.
Heute weiß ich:
Genau das war mein Fehler.
Ich habe mich selbst übergangen
Es gab eine Zeit,
da habe ich einfach funktioniert.
Für andere.
Für Termine.
Für das, was gerade gebraucht wurde.
Wenn ich müde war,
bin ich weitergefahren.
Wenn ich erschöpft war,
dachte ich:
Das geht schon noch.
Und wenn ich eigentlich eine Pause gebraucht hätte,
kam sofort dieser alte Satz:
Du musst durchhalten.
Und ich habe durchgehalten.
Bis ich auf den Felgen unterwegs war.
Ein Fahrzeug fährt nicht ohne Treibstoff
Ein Auto fährt nicht ohne Treibstoff.
Und ich auch nicht.
Wenn ich schlecht esse,
zu wenig schlafe,
zu lange durchhalte,
dann läuft mein Motor nicht mehr rund.
Früher habe ich einfach weitergemacht.
Heute tanke ich früher.
Nicht erst, wenn nichts mehr geht.
Die Signale waren da
Ich habe die Zeichen gesehen.
Müdigkeit.
Unruhe.
Reizbarkeit.
Keine Kraft mehr.
Keine Freude mehr.
Aber ich habe sie übergangen.
Es muss weitergehen.
Jetzt kannst du nicht stehen bleiben.
Ein Fahrzeug mit plattem Reifen
kommt auch noch ein Stück weiter.
Aber nicht lange.
Und je länger man so fährt,
desto größer wird der Schaden.
Tanken ist kein Luxus
Lange habe ich gedacht,
Pause machen kommt später.
Erst die Pflicht.
Dann ich.
Nur kommt dieses „dann“ oft nicht.
Heute weiß ich:
Ich darf vorher tanken.
Gutes Essen.
Genügend Schlaf.
Ruhe.
Zeit für mich.
Nicht als Belohnung.
Sondern als Voraussetzung.
Wartung gehört dazu
Ein Fahrzeug braucht Wartung.
Nicht, weil es kaputt ist.
Sondern damit es nicht kaputt geht.
Mit mir ist es genauso.
Wenn ich mich nicht kümmere,
meldet sich mein Körper.
Erst leise.
Dann deutlicher.
Heute höre ich früher hin.
Nicht aus Angst.
Sondern aus Respekt.
Stärke neu verstehen
Früher dachte ich,
stark sein heißt durchhalten.
Nicht stehen bleiben.
Nicht aufgeben.
Heute weiß ich:
Stark sein heißt auch,
rechtzeitig anzuhalten.
Zu merken:
Ich brauche eine Pause.
Und dann nicht weiter Gas zu geben —
sondern runterzuschalten.
Pausen sind kein Rückschritt.
Sie gehören zur Fahrt dazu.
Ein Gedanke zum weiterfliegen
Ich bin immer noch jemand,
der gerne fährt.
Der vorwärts will.
Der etwas bewegen möchte.
Aber ich schaue heute öfter auf meine Anzeige:
Wie viel Energie habe ich noch?
Muss ich tanken?
Oder fahre ich nur noch aus Gewohnheit?
Ich möchte nicht mehr
auf den Felgen unterwegs sein.
Ich möchte fahren.
Aber nicht auf Kosten von mir selbst.
In den nächsten Wochen nehme ich dich weiter mit
auf meine Reise durchs Leben –
mit all den Kurven, Umwegen und neuen Wegen.
Neue Beiträge erscheinen in regelmäßigen Abständen.
Wenn du magst,
steig ein und fahr ein Stück mit.
