Darf ich das?
Über eine Frage, die irgendwann einfach verschwunden ist.
Früher gab es da diese kleine Stimme in meinem Kopf.
„Darf ich das?“
Darf ich das so schreiben?
Darf ich das sagen?
Darf ich mich so kleiden?
Was denken die anderen?
Ist das vielleicht zu viel?
Zu direkt?
Zu anders?
Ich habe ziemlich lange gebraucht, um diese Stimme leiser werden zu lassen.
Heute ist sie fast weg, manchmal ganz leise.
Nicht, weil mir inzwischen egal ist, was andere denken.
Sondern weil ich gelernt habe, dass ich nicht für jeden Menschen passend sein muss.
Ich darf meine Gedanken aufschreiben.
Ich darf anderer Meinung sein.
Ich darf Dinge ausprobieren, auch wenn ich noch nicht weiß, wohin sie führen.
Ich darf meine Meinung ändern.
Ich darf heute etwas anders sehen als vor einem Jahr.
Und ich darf sogar einen alten Blogbeitrag anschauen und denken:
„Ja, das war ich. Aber heute würde ich es anders schreiben.“
Das ist keine Inkonsequenz.
Das ist Entwicklung.
Ich lerne aus meiner Vergangenheit.
Ich muss nicht jeden Fehler verurteilen. Ich darf mich fragen, was er mich gelehrt hat.
Vielleicht ist das eine meiner schönsten neuen Freiheiten:
Ich muss nicht mehr erst die Erlaubnis von außen bekommen, bevor ich mich selbst ernst nehme.
Und manchmal schreibe ich etwas und denke nicht mehr:
„Darf ich das?“
Sondern einfach:
„Das ist mein Gedanke.
Ich schreibe ihn auf.“
Und dann darf der Rest denken, was er möchte.
Ein Gedanke zum Weiterfliegen
Vielleicht ist Erwachsenwerden gar nicht das, was wir immer glauben.
Vielleicht geht es irgendwann nicht mehr darum, wer wir sein sollen.
Sondern darum, uns zu erlauben, wer wir bereits sind – und wer wir gerade werden.
