Gedankenflug – Lost in translation

Ich fliege durch meine Gedanken,
mal ruhig, mal wieder am Schwanken.
Gerade einen Entschluss gefasst,
noch einmal geprüft — nichts verpasst.

Da kommt sie von der Seite, ungefragt,
eine Böe, die keiner bestellt hat.
„Bist du sicher, dass das richtig ist?
Ich würd das nicht tun, du weißt, wie das ist.“

Noch eine Stimme, noch ein Rat,
noch jemand, der es besser weiß als ich grad.
Der eine warnt, der andere lenkt,
der nächste hat schon weitergedacht als ich denk.

Ich strauchle, ich wanke, verlier fast die Spur,
so viele Richtungen — doch welche ist nur
die meine, die echte, die wirklich von mir,
und nicht das Echo von außen, laut vor der Tür?

Manche wollen helfen, manche nur reden,
manche genießen es sogar, wenn wir uns verfehlen.
Doch egal wer spricht, egal wer schreit,
das Ergebnis trag ich — ganz allein, jederzeit.

Ein Flügelschlag später wird mir wieder klar,
mein Himmel gehört mir, so einfach, so wahr.
Ratschläge sind Wind, mal Rücken, mal Gegen,
doch fliegen muss ich auf meinen eigenen Wegen.

Die Flugbahn ist meine, ich stell sie selbst ein,
verloren geh ich nur, wenn ich vergesse, wer ich bin.

Der Gedankenflug kommt mir nicht ohne Grund.
In letzter Zeit begegnen mir immer mehr Menschen, die ihre eigene Flugbahn kaum noch spüren, weil zu viele Stimmen von außen hineinreden.

Freunde, Familie, Nachrichten, soziale Medien, gut gemeinte Ratschläge, ungefragte Meinungen.
Jeder weiß etwas, jeder hat eine Erfahrung, jeder hat eine Warnung.

Und plötzlich sitzt man da, mit einer Entscheidung in der Hand, die sich eben noch richtig angefühlt hat —
und fängt an zu zweifeln.

Ich sehe es besonders oft, wenn es um Gesundheit geht.
Ein Arzt verschreibt ein Medikament.
Ein Freund sagt: „Das würde ich nicht nehmen.“
Jemand anders erzählt eine schlimme Geschichte.
Noch jemand hat etwas im Internet gelesen.

Und auf einmal ist die eigene Sicherheit weg.

Dabei kann niemand die Verantwortung für unser Leben übernehmen.
Nicht der Freund.
Nicht die Familie.
Nicht die Medien.
Nicht einmal der Arzt.

Sie können raten, warnen, erzählen, helfen oder auch verunsichern.
Manchmal aus Sorge.
Manchmal aus Erfahrung.
Manchmal aus Angst.
Und manchmal auch, ohne zu merken, was sie damit anrichten.

Doch egal, wie viele Stimmen sprechen —
fliegen muss jeder selbst.

Wir dürfen zuhören.
Wir dürfen nachdenken.
Wir dürfen uns auch verfliegen.

Aber am Ende müssen wir wieder bei uns selbst landen.

Denn verloren gehen wir nicht, wenn wir einen Fehler machen.
Verloren gehen wir, wenn wir aufhören, auf unsere eigene Richtung zu hören.

Verfliege ich mich manchmal?
Ja.
Aber ich finde immer wieder heim.

Martes Gedanken – unterwegs zwischen Licht, Schatten und neuen Horizonten

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