Runter von der Überholspur

Es gab Zeiten,
da war ich zu schnell.

Zu schnell für mich.
Zu schnell für andere.

Und oft habe ich es gar nicht gemerkt.

In Gedanken war ich schon weit voraus,
während die anderen noch am Anfang standen.

Für mich war alles klar.
Ich hatte mein Tempo im Griff.
Die Autobahn zum Ziel fest im Blick.

Dann hörte ich manchmal diesen Satz:

Ganz ruhig, Brauner.

Und ich fragte mich,
warum die anderen bremsen wollen,
wenn es doch gerade so gut vorwärtsgeht.

Ich sah, was kommen könnte,
noch bevor es da war.

Und das Echo kam prompt:

Das kann doch nicht sein.
Das bildest du dir ein.

Ich hörte mich oft sagen:
Das mach ich noch schnell.
Das geht noch eben.
Das kriege ich auch noch hin.

Und so wurde es immer mehr.
Zu viel aufgeladen.
Zu viel gleichzeitig.

Lange war das mein Leben.

Schnell sein.
Weiter sein.
Früher sehen, was kommt.

Manchmal frage ich mich heute,

war es Aufbruch
oder auch ein Stück Flucht?

Ich konnte vieles hinter mir lassen,
wenn ich nur schnell genug weiterging.

Doch eines ging nie so schnell:

Vergessen.

In ruhigen Momenten
holen mich die Gedanken wieder ein.

Bilder von früher.
Gespräche.
Entscheidungen.
Wege, die ich gegangen bin.

Und dann kommt diese Frage:

War ich zu schnell?
Für mich
und für die anderen?

Hätte mit mehr Geduld
etwas anderes entstehen können?

Ich gebe niemandem die Schuld.

Vielleicht konnten mir manche nicht folgen.
Vielleicht wollten sie es nicht.
Vielleicht war mein Tempo einfach ein anderes.

Ich gehe nur mit mir selbst ins Gericht.

Doch wenn ich in den Rückspiegel meines Lebens schaue,
sehe ich nicht nur verpasste Abfahrten.

Ich sehe Wege, die mich geprägt haben.

Ich habe gelernt.
Ich habe gelacht.
Ich habe geweint.
Ich habe gestritten.
Ich habe mich versöhnt.
Und mich auch entfernt.

Alles gehört zu dieser Fahrt.

Alles gehört zu mir.

Vielleicht war ich oft auf der Überholspur.

Aber ich bin meinen Weg gefahren.

Und nichts davon
war umsonst.

Martes Gedanken – unterwegs zwischen Licht, Schatten und neuen Horizonten

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