Ich war schon immer ein Spätzünder
Warum ich oft später losfahre – aber dann richtig
Wenn ich auf mein Leben zurückblicke,
zieht sich ein Satz wie ein roter Faden durch viele Jahre:
„Sie ist eben ein Spätzünder.“
Nicht böse gemeint.
Eher eine Erklärung dafür,
warum bei mir manches länger dauert.
Warum ich nicht sofort loslege.
Warum ich erst schaue.
Erst in mich hineinhöre.
Erst verstehe.
Früher hat mich das geärgert.
Heute sehe ich es anders.
In der Schule kam mein Moment später
In den ersten Schuljahren war ich eher zurückhaltend.
Nicht schlecht.
Aber auch nicht die,
die sofort vorne mit dabei war.
Ich war die Einzige, die mit links schrieb.
Schon am Anfang anders.
Beim Schreiben verschmierte alles.
Die Hefte sahen anders aus.
Und manchmal habe ich mich gefragt:
Bin ich falsch —
nur weil ich nicht so bin wie die anderen?
Ich habe länger gebraucht,
um meinen Weg zu finden.
Doch irgendwann hat sich etwas verändert.
Ich hatte mein Warum gefunden.
Und plötzlich konnte ich Gas geben.
Nicht, weil ich schneller war.
Sondern weil ich bereit war.
Auch später losfahren kann richtig sein
Den Führerschein habe ich erst mit 28 gemacht.
Viele hatten ihn da schon lange.
Wieder so ein Moment,
in dem ich dachte:
Bei mir dauert alles länger.
Aber als ich angefangen habe,
ging es schnell.
Als hätte ich nur darauf gewartet,
dass der richtige Zeitpunkt kommt.
Ich starte nicht sofort — aber bewusst
Von außen wirkt es manchmal,
als würde ich schnell entscheiden.
Neue Idee? Los.
Neue Richtung? Los.
Doch bevor ich losgehe,
bin ich innerlich oft schon lange unterwegs.
Ich habe geschaut.
Gezögert.
Abgewogen.
Gefühlt, ob es wirklich meins ist.
Und trotzdem habe ich früher oft zu schnell Ja gesagt,
obwohl ein Nein ehrlicher gewesen wäre.
Wenn ich starte, dann richtig
Ich brauche Zeit,
bis der Motor warm ist.
Aber wenn ich losfahre,
dann fahre ich.
Dann bleibe ich dran.
Dann gehe ich meinen Weg.
Nicht halb.
Sondern ganz.
Frieden mit meinem Tempo
Früher habe ich mich verglichen.
Warum sind die anderen schneller?
Warum wissen sie früher, was sie wollen?
Heute stelle ich mir diese Fragen nicht mehr.
Ich weiß:
Mein Leben war nicht im Leerlauf,
nur weil ich noch nicht losgefahren bin.
Manchmal läuft der Motor warm.
Manchmal wird geprüft,
ob die Strecke überhaupt passt.
Und manchmal kommt dieser Moment,
in dem ich spüre:
Jetzt.
Ein Gedanke zum weiterfliegen
Spät starten heißt nicht zu spät sein.
Ein Motor, der warm läuft,
trägt oft weiter.
Vielleicht bin ich genau so.
Ich brauche manchmal länger.
Aber ich fahre bewusst.
Und ich habe noch Strecke vor mir.
Und vielleicht beginnt genau jetzt
wieder ein Abschnitt,
auf dem ich Gas geben kann.
In den nächsten Wochen nehme ich dich weiter mit
auf meine Reise durchs Leben –
mit all den Kurven, Umwegen und neuen Wegen.
Neue Beiträge erscheinen in regelmäßigen Abständen.
Wenn du magst,
steig ein und fahr ein Stück mit.
