Zu viel Gepäck an Bord
Warum ich lernen musste, Ballast aus meinem Lebensfahrzeug zu räumen
Schon lange sehe ich mein Leben wie eine Fahrt.
Ich sitze am Steuer.
Mein Fahrzeug bringt mich durch gute Zeiten,
durch holprige Strecken
und durch enge Kurven.
Doch lange habe ich eines nicht bemerkt:
Mein Fahrzeug war zu voll.
Nicht nur mit Menschen.
Nicht nur mit Terminen.
Sondern mit Gepäck.
Viel zu viel Gepäck.
Ich konnte nie gut etwas wegwerfen
Früher habe ich fast nichts weggeworfen.
Vielleicht kann man es noch gebrauchen.
Vielleicht braucht es irgendwann jemand.
„Heb das lieber auf, man weiß nie.“
Also habe ich aufgehoben.
Dinge.
Erinnerungen.
Verantwortung.
Probleme von anderen.
Und ohne es zu merken,
wurde mein Fahrzeug immer voller.
Ich habe mehr eingeladen, als ich tragen konnte
Ich war lange jemand,
der alles mitgenommen hat.
Wenn jemand Hilfe brauchte — ich.
Wenn jemand reden wollte — ich.
Wenn jemand etwas nicht tragen konnte — ich.
Ich habe mich selten gefragt,
ob in meinem Fahrzeug überhaupt noch Platz ist.
Ich habe einfach eingeladen.
Immer her damit.
Ich kriege das schon unter.
Und das ging lange gut.
Sehr lange.
Bis ich gemerkt habe,
dass mein Motor anfing zu stottern.
Und selbst da habe ich noch zu mir gesagt:
„Jetzt hab dich doch nicht so.“
Gewicht kommt leise
Ein Fahrzeug wird nicht plötzlich überladen.
Es passiert Stück für Stück.
Ein Koffer hier.
Eine Tasche da.
Und weil noch Platz scheint,
kommt immer noch etwas dazu.
So war es auch in meinem Leben.
Zu viele Verpflichtungen.
Zu viele Erwartungen.
Zu viele Dinge, die ich mit mir getragen habe,
obwohl sie längst nicht mehr zu mir gehörten.
Und trotzdem dachte ich:
Das kann ich doch jetzt nicht einfach loslassen.
Pflicht ist auch Gewicht
Nicht alles wollte ich behalten.
Manches habe ich getragen,
weil ich dachte, ich muss.
Weil man das so macht.
Weil es sich gehört.
Weil ich niemanden enttäuschen wollte.
Aber jedes Stück Pflicht
hat Gewicht.
Und irgendwann fährt man nicht mehr frei —
sondern nur noch schwer.
Wenn nichts Neues mehr Platz hat
Der Moment, der etwas verändert hat,
war leise.
Ich konnte nichts Neues mehr aufnehmen.
Keine neue Idee.
Keine Leichtigkeit.
Mein Fahrzeug war voll.
Nicht mit dem, was ich heute brauche —
sondern mit dem,
was ich gestern nicht losgelassen habe.
Und da wurde mir klar:
Wenn ich weiterfahren will,
muss ich ausräumen.
Loslassen ist Platz schaffen
Am Anfang hat sich Loslassen falsch angefühlt.
Fast wie Verrat.
Darf ich das einfach gehen lassen?
Darf ich sagen: Das gehört nicht mehr zu mir?
Heute weiß ich:
Loslassen ist kein Verlust.
Loslassen ist Platz.
Dinge, Situationen und auch Menschen
in ihre eigene Verantwortung zu entlassen.
Mich zu bedanken.
Und weiterzufahren.
Ich schaue heute bewusster hin
Ich warte nicht mehr,
bis nichts mehr geht.
Manchmal halte ich an
und schaue in meinen „Kofferraum“.
Brauche ich das noch?
Will ich das noch?
Und manches darf einfach da bleiben,
wo es ist.
Nicht alles muss mit bis zum Ende der Reise.
Und nicht jeder
muss einsteigen.
Ein Gedanke zum weiterfliegen
Ich werde wahrscheinlich nie jemand sein,
der mit wenig unterwegs ist.
Dafür habe ich zu viel erlebt.
Aber ich darf darauf achten,
dass mein Fahrzeug nicht wieder überladen wird.
Denn ich möchte nicht nur fahren.
Ich möchte frei fahren.
Mit Platz für Neues.
Mit Luft zum Atmen.
Und mit einem Motor,
der ruhig läuft.
In den nächsten Wochen nehme ich dich weiter mit
auf meine Reise durchs Leben –
mit all den Kurven, Umwegen und neuen Wegen.
Neue Beiträge erscheinen in regelmäßigen Abständen.
Wenn du magst,
steig ein und fahr ein Stück mit.
