Irgendwann
Vor ein paar Tagen saß ich einem Menschen gegenüber,
den ich fast 40 Jahre kenne.
Ein Mensch,
der einmal sehr wichtig für mich war.
Dann sagte er:
„Jetzt sitze ich hier
und merke,
was für ein Trottel ich war.“
„Ich dachte immer,
irgendwann,
wenn der Zeitpunkt passt …“
Und plötzlich war dieses Wort wieder da.
Irgendwann.
Ein Wort,
das zwischen uns schon einmal
eine große Rolle gespielt hatte.
Damals konnte er sich nicht entscheiden.
Zwischen Beziehung und Freiheit.
Also traf ich die Entscheidung.
Für mich.
Und entließ ihn in die Freiheit.
Fast 40 Jahre später
saß er nun vor mir
und erzählte mir von seinem „Irgendwann“.
Ich lächelte nur.
Nicht aus Schadenfreude.
Eher aus Überraschung.
Denn etwas war anders.
Früher wäre wahrscheinlich sofort etwas in mir angesprungen.
Der Wunsch zu helfen.
Zu erklären.
Zu retten.
Diesmal war da nur:
„Das ist schade.“
Und dann Stille.
Nicht kalt.
Nicht gleichgültig.
Einfach ruhig.
Vielleicht hat sich das in mir verändert.
Nicht mehr für andere entscheiden.
Nicht mehr warten,
bis jemand seinen Zeitpunkt findet.
Und nicht mehr versuchen,
jemanden aus seinem „Irgendwann“ herauszuziehen.
Manchmal muss jeder selbst entscheiden,
wann er abbiegt.
Denn manchmal ist
Irgendwann einfach zu spät.
