Nicht größer. Nicht kleiner.

Früher wurde mir oft gesagt:
Der Glaube kann Berge versetzen.

Und als Kind habe ich geglaubt,
man müsse nur fest genug glauben,
dann wird man genau der Mensch,
für den man sich hält.

In jungen Jahren
halten wir unser Selbstbild gerne für die Wahrheit.
Wir stellen uns vor, stark zu sein, besonders zu sein,
größer als wir eigentlich noch sind.

Wenn damals jemand gefragt hätte:
Was glaubst du eigentlich, wer du bist?
hätte ich vielleicht geantwortet:

Eine Königin.

Den Gesichtsausdruck meiner Mutter
hätte ich zu gern gesehen.

Nicht, weil ich wirklich eine war,
sondern weil ich glaubte,
ich müsste etwas Großes sein,
um richtig zu sein.

Mit den Jahren habe ich verstanden,
dass Glauben allein nicht reicht.

Wenn ich mir nur vorstelle, wer ich bin,
kenne ich mich noch lange nicht.

Erst als ich begann hinzusehen,
ohne mich größer zu machen,
ohne mich kleiner zu reden,
wurde aus dem Glauben langsam Wissen.

Ich sah, was ich kann.
Ich sah, was ich nicht kann.
Ich sah meine Stärke
und meine Grenzen.

Und genau dort
begann etwas, das viel ruhiger ist als jeder Traum:

Selbsterkenntnis.

Zu wissen, wer ich bin,
macht mich nicht zur Königin.
Aber es gibt mir festen Boden unter den Füßen.

Ich kenne meine Grenzen
und kann deshalb die der anderen achten.

Heute würde ich auf die Frage
Was glaubst du eigentlich, wer du bist?
nicht mehr antworten.

Ich würde lächeln und denken:

Ich muss es nicht mehr glauben.
Ich bin auf dem Weg, es zu wissen.

Martes Gedanken – unterwegs zwischen Licht, Schatten und neuen Horizonten

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