Manchmal will ich schneller, als das Leben fährt
Manchmal düse ich zu schnell.
Sehe die Kurven nicht
und auch nicht die Schlaglöcher
auf der langen Straße.
Dabei bin ich nicht allein unterwegs.
Oft mit mehr Tempo,
als die anderen eigentlich vertragen.
Geduld war nie meine Stärke.
Wenn jemand sagte:
„Du musst Geduld haben“,
sträubten sich innerlich meine Federn.
Geduld fühlte sich für mich an
wie stehen bleiben.
Wie warten,
ohne zu wissen, worauf.
Warten, bis der andere sich entscheidet.
Warten, bis etwas klar wird.
Warten, bis das Leben weitergeht.
Ich wollte fahren.
Nicht stehen.
Und wenn es nicht so schnell ging wie früher,
kam diese leise Wut.
Warum dauert das so lange?
Warum geht das nicht schneller?
Warum komme ich nicht voran?
Dann kam eine Zeit,
da konnte ich gar nicht mehr schnell.
Krücken.
Langsame Schritte.
Jeder Weg länger als gedacht.
Am Anfang war da nur Ungeduld.
Und Frust.
Doch je länger ich so unterwegs war,
desto mehr musste ich lernen,
mich meinem eigenen Tempo anzupassen.
Nicht dem, das ich wollte.
Dem, das gerade möglich war.
Das Leben ist ein guter Lehrer.
Manchmal erklärt es nichts.
Es bremst einfach.
Wenn ich heute von oben auf diese Strecke schaue,
weiß ich:
Geduld heißt nicht stehen bleiben.
Geduld heißt,
trotzdem weiterzugehen,
auch wenn es langsamer ist.
Und manchmal
lernt man genau dann am meisten,
wenn man nicht mehr rennen kann.
