Glück ist ein Moment
Was ist eigentlich Glück?
Mein letzter Umzug hat mir darüber mehr erzählt als so manches Buch.
Vor sieben Jahren bin ich mit einem 30-Kilo-Koffer nach hier gekommen.
Mehr hatte ich zunächst nicht.
Nur mein Fahrrad und ein kleines antikes Sofa habe ich später noch nachliefern lassen.
„Das brauche ich.“
Sieben Jahre später weiß ich:
Das Fahrrad habe ich in dieser ganzen Zeit kein einziges Mal benutzt.
Und auch mein Sofa hätte vermutlich ohne mich weiterleben können.
Mein letzter, ziemlich plötzlicher Umzug wurde deshalb zu einem echten Augenöffner.
Plötzlich stand mein Leben vor der Tür.
Kisten über Kisten.
Dinge, die jahrelang in Schränken und Schubladen verschwunden waren. Dinge, von denen ich teilweise gar nicht mehr wusste, dass ich sie überhaupt noch besaß.
Und plötzlich wurde mir bewusst:
Wie viel kann sich ein Mensch eigentlich anschaffen, während er gleichzeitig glaubt, noch etwas zu brauchen?
Mein Umzugshelfer – ein Russe – erzählte mir ein Sprichwort aus seiner Heimat:
„Der Arme erkennt erst beim Umzug, wie reich er ist.“
Ich musste darüber lachen.
Denn reich war ich tatsächlich.
Nur fühlte sich dieser Reichtum plötzlich ziemlich schwer an.
Alles musste eingepackt, getragen, transportiert und wieder ausgepackt werden.
Aus „Das brauche ich“ wurde:
„Das muss ich jetzt mitschleppen.“
Und vielleicht ist das nicht nur mit Dingen so.
Auch meine innere Leere habe ich früher manchmal mit Dingen dekoriert.
Eine schöne Wohnung.
Neue Deko.
Etwas kaufen, worüber ich mich freuen konnte.
Und ja – es machte mich glücklich.
Für einen Moment.
Aber der Tank blieb leer.
Also musste wieder etwas Neues her.
Heute weiß ich, wo ich mein Glück finde.
Nicht im nächsten Kauf.
Nicht in noch mehr Dingen.
Sondern in dem, was man nicht kaufen kann.
In Zeit miteinander.
In einem guten Gespräch.
Im gemeinsamen Lachen.
In einer Umarmung.
Im vertrauten Schweigen.
In einem Cappuccino am Strand.
Im Schnurren einer Katze.
In einem guten Essen mit Freunden.
Im Wind in den Haaren.
In diesen kleinen Momenten, in denen nichts fehlt.
Vielleicht ist Glück genau das:
Für einen Moment nichts zu brauchen.
Dankbar zu sein für das, was noch geht.
Nicht ständig zurückzuschauen auf das, was einmal ging.
Neugierig zu sein auf das, was noch kommt.
Dankbar zu sein für alles, was ich lernen durfte.
Auch für das, was ich mir nicht ausgesucht hätte.
Denn manches, was ich heute als Erfahrung betrachte, hätte ich damals lieber nicht erlebt.
Und trotzdem gehört es zu meinem Weg.
Glück ist kein Dauerzustand.
Es ist ein Moment.
Eine kleine Tankstelle auf dem Weg.
Wir können es nicht jagen.
Nicht kaufen.
Nicht anbinden.
Nicht festhalten.
Und auch nicht mit Botox und Filtern retuschieren.
Wir können es nur erleben.
Jetzt.
Hier.
In diesem einen Moment.
Und vielleicht ist genau das genug.

Das berührt mich sehr, liebe Martina.