Mein Lebensnavi

Im Auto ist das ziemlich einfach.

Ich gebe ein Ziel ein
und mein Navi übernimmt.

„In 300 Metern rechts abbiegen.“

„Noch 4 Kilometer geradeaus.“

„Vor Ihnen befindet sich eine Baustelle.“

„Auf Ihrer Route liegt ein Unfall.
Die Verzögerung beträgt voraussichtlich 20 Minuten.“

Praktisch.

Klar.

Eindeutig.

Mein Lebensnavi war lange nicht ganz so präzise.

Eigentlich hatte ich meistens nur so eine ungefähre Vorstellung davon, wo ich hinwollte.

In diese Richtung vielleicht.

Das wird schon.

Irgendwie geht es immer weiter.

Und tatsächlich ging es immer weiter.

Nur wusste ich manchmal nicht so genau, wohin.

Vielleicht war das lange völlig in Ordnung.

Vielleicht braucht ein Leben auch nicht für jede Kurve einen ausgearbeiteten Routenplan.

Denn was wäre das für eine Reise,
wenn schon vorher feststeht, wo man abbiegt, wann man anhält und welche Landschaft man zu sehen bekommt?

Wo bliebe da die Spontaneität?

Der kleine Umweg, der plötzlich interessanter ist als die geplante Strecke?

Der Ort, an dem man eigentlich gar nicht anhalten wollte und dann doch stehen bleibt?

Ich glaube nicht, dass wir unser Leben komplett durchplanen können.

Und ich möchte es auch gar nicht.

Aber irgendwann merkte ich, dass mir dieses „Wird schon werden“ nicht mehr genügte.

Denn auch eine Fahrt ins Blaue braucht irgendwann eine Richtung.

Vielleicht nicht jedes Detail.

Vielleicht nicht einmal ein ganz genaues Ziel.

Aber zumindest eine Ahnung davon, wohin ich eigentlich möchte.

Und dann ist da noch etwas.

Wir fahren ja nicht immer allein.

Menschen steigen zu.

Manche bleiben lange.

Manche steigen irgendwann wieder aus.

Und manchmal sitzen Menschen neben uns, mit denen wir sehr lange in dieselbe Richtung gefahren sind.

Bis wir irgendwann feststellen:

Wollen wir eigentlich noch zum selben Ziel?

Das ist vielleicht eine der schwierigsten Fragen auf einer gemeinsamen Reise.

Nicht:

Wer hat recht?

Nicht:

Wer hat die bessere Route?

Sondern einfach:

Wollen wir noch in dieselbe Richtung?

Denn ein Navi kann eine Route neu berechnen.

Aber es kann uns nicht sagen,
welches Ziel wir wählen sollen.

Das müssen wir schon selbst wissen.

Oder vielleicht erst einmal herausfinden.

Und vielleicht ist genau das der Punkt:

Ich brauche heute keinen perfekt ausgetüftelten Lebensplan.

Aber ich möchte wissen,
in welche Richtung mein eigenes Navi zeigt.

Und wenn ich unterwegs merke,
dass ich an einem anderen Ort ankommen möchte?

Dann darf ich die Route neu berechnen.

Auch mitten auf der Fahrt.

Martes Gedanken – unterwegs zwischen Licht, Schatten und neuen Horizonten

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